Freitag, 30. Juni 2017

Fünf Fragen an Lumizil

Lumizil ist ein Online-Lampenshop, der 2014 von WHU-Alumna Lena Schaumann gegründet wurde. Unternehmenssitz ist Berlin, wo derzeit elf Mitarbeiter für Lumizil arbeiten. Die Website von Lumizil zeichnet sich durch intelligente Filter aus, die dem Kunden die Suche nach der perfekten Beleuchtung erleichtern sollen, sowie ein Angebot von knapp 20.000 Lampen, die ohne Umwege direkt vom Hersteller versendet werden. Lumizil ist aber mittlerweile auch stationär unterwegs: es bestehen Kooperationen mit Möbelhäusern. Ihre Bestände werden auf Lumizil angezeigt und Kunden können per Click & Collect in diese Häuser bestellen. In den Möbelhäusern erweitern Lumizil-iPads die Verkaufsfläche digital und stehen den Verkäufern als Beratungshilfe mit all den Bildern und Informationen zur Verfügung.

 

Lena, du hattest nach deinem WHU-Abschluss die Möglichkeit das Unternehmen deiner Familie weiterzuführen. Warum hast du dich dennoch für deine eigene Unternehmensgründung entschieden?

Ich bin anfangs in das Familienunternehmen meines Vaters eingestiegen. Mein Ziel war und ist es, das klassische Möbelhaus in Kassel zu digitalisieren, auf die steigende Bedeutung des E-Commerce im Möbelhandel vorzubereiten und so die langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Schnell stellte sich heraus, dass das laufende Geschäft nahezu alle Aufmerksamkeit benötigt und E-Commerce-Themen immer zweitrangig bearbeitet wurden. Außerdem sind wir stationär seit etlichen Jahren erfahren und wissen wovon wir sprechen, vor der Online-Welt haben wir jedoch viel Respekt und gehen vorsichtig vor. Im Zweifel lag der Fokus klar auf dem laufenden und profitablen stationären Geschäft.

An dieser Stelle habe ich mich bewusst vom Familienunternehmen gelöst, habe in Berlin – der Online-Welt- ein reines Online-Team gegründet, das sich ganz bewusst zu null Prozent mit dem bestehenden stationären Geschäft beschäftigt. Ich habe mit und uns damit den Raum gegeben völlig frei und uneingeschränkt zu denken und zu lernen.

Nach einem knappen Jahr am Markt, haben wir die Verbindung zum Familienunternehmen wiederhergestellt: Wir stellen auf Lumizil die Bestände von Möbel Schaumann da. Über uns kann der Kunde per Click & Collect zu Schaumann bestellen. Außerdem stehen im Möbel Schaumann iPads auf denen das Lumizil Sortiment dargestellt wird und somit die limitierte Ausstellungsfläche digital erweitert wird.

Ich habe also mit Lumizil meinen eigenen Shop und verschicke deutschlandweit, trotzdem bewältige ich damit die E-Commerce-Herausforderungen für unser Familienunternehmen. So richtig gelöst habe ich mich also nicht und werde ich vermutlich auch nie, denn das möchte ich auch nicht. Lumizil gibt mir die Möglichkeit nicht direkt einzusteigen, damit meine eigene Vision vollends zu verfolgen und trotzdem etwas zum Erfolg des Familienunternehmens beizutragen und damit bin ich sehr glücklich.

 

Was konntest du von der Unternehmenserfahrung deiner Familie lernen, das dir beim eigenen Gründen geholfen hat?

Ich schätze eine ganze Menge und den größten Teil davon wahrscheinlich unterbewusst. Klar bin ich mit einer sehr unternehmerischen Denke aufgewachsen und auch so erzogen worden. Von Anfang an wurde mein Vorhaben von der Familie unterstützt, sodass ich nicht schon dort erste Kritiker hatte. Das hat sicherlich ungemein geholfen. Die Erfahrung meines Vaters hat mir aber an etlichen Stellen auch ganz konkret geholfen: Gesellschafterverträge, Gründungsdokumente, Anmeldungen und so weiter. Zu allem gab es bestehende Dokumente bei denen man zumindest teilweise abschauen konnte. Der erste Jahresabschluss war mit Sicherheit auch deutlich einfacher mit jemandem an der Seite, der das schon etliche Male gemacht hat.

 

Wie funktioniert das Konzept von Lumizil und was ist das Kernstück des Unternehmens?

Lumizil ist ein klassischer Händler und versendet all seine Produkte direkt vom Hersteller. Das heißt, wir besitzen keinerlei Ware und können uns somit vollends auf den Vertrieb und unsere Vision konzentrieren: Wir glauben an den Multichannel-Möbelhandel. Die Kunden machen es uns vor: Sie wollen Online schauen und offline kaufen oder eben andersrum. Das Bedürfnis muss auch von den regionalen mittelständischen Möbelhäusern, wie unser Familienunternehmen eins ist, erfüllt werden, um nicht irgendwann von den großen Platzhirschen oder Pure-Onlineplayern verdrängt zu werden.

Wir stellen also unsere Produkte online aus und sorgen dafür, dass der Weg zur neuen Lampe so kurz wie möglich ist: Schnelles Suchen und Finden in einem riesigen Sortiment durch Hilfestellungen an jeder denkbaren Stelle, Reservieren und Abholen in eine der angebundenen Möbelhäuser oder direkt nach Hause, Versand meist taggleich direkt ab Werk des Herstellers. Möbel kaufen soll endlich so einfach und unkompliziert werden wie Schuhe kaufen.

 

Ihr habt im letzten Jahr ein Experiment mit einer Familie durchgeführt, die zehn Tage lang in der Dunkelheit, das heißt ohne Lampenlicht, gelebt hat. Wie ist das Experiment genau abgelaufen und wieso habt ihr es durchgeführt?

Wir haben der Familie an Tag eins alle Lampen im gesamten Haus eigenständig abmontiert und haben sie von da an eine Woche bei ihrem Leben ohne Licht begleitet. Das Ganze hat im Februar stattgefunden, also zu einer Zeit, in der es früh dunkel und spät hell wird. Wir haben das Experiment durchgeführt, um zu sehen, wie entscheidend und wichtig eigentlich Licht für den Alltag ist. Gesaugt wurde nur noch nach Geräusch, Abendessen gab es früher als gewohnt, damit noch bei Tageslicht gekocht werden konnte, morgens aufstehen war deutlich schwieriger ohne Licht und nach etwa sieben Tagen hat all das auch Auswirkungen auf die Stimmung gehabt. Zum Glück war es dann aber auch fast vorbei – die Familie hat durchgehalten und hat als Belohnung ihr ganzes Haus mit neuen Lampen ausgestattet bekommen. Fazit: Man braucht das Licht noch weitaus mehr als man eigentlich denkt und nahezu der gesamte Alltag wird ohne Licht deutlich erschwert.

 

Ihr habt bei Lumizil moderne Arbeitsstrukturen, beispielsweise keine festen Arbeitszeiten und -plätze. Welche Vor- und Nachteile siehst du in solchen Strukturen für das Unternehmen?

Ich sehe darin viele Vorteile, wie beispielsweise eine entspannte Arbeitsatmosphäre, eine höhere Eigenverantwortung für jeden Einzelnen und damit einhergehend eine höhere Identifikation mit dem Unternehmen. Flache Hierarchien führen dazu, dass jeder die gleichen „Rechte“ hat. Und ganz praktisch gesprochen führen die modernen Arbeitsstrukturen zu einer leichteren Organisation beziehungsweise Einteilung von Frei- und Arbeitszeit für jeden Einzelnen. Tatsächlich sehe ich keine direkten Nachteile. Man muss natürlich aufpassen, dass das Ganze nicht vollends ausgereizt wird und in einem gewissen Rahmen stattfindet – gerade die lockeren Arbeitszeiten. Sich selbst zu organisieren ist auch nicht für jeden etwas.

Website Lumizil

Lena Schaumann, Gründerin und Geschäftsführerin von Lumizil