Dienstag, 04. Juli 2017

Internationalisierung im Mittelstand

Viele mittelständische Unternehmer agieren bereits erfolgreich im europäischen Ausland und festigen so den Ruf der deutschen Wirtschaft als Exportweltmeister. Doch auch jenseits der europäischen Grenzen locken neue, wachstumsstarke Absatzmärkte. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen riskieren viel, doch können auch umso mehr gewinnen, wenn sie vertraute nationale oder europäische Grenzen überschreiten und es ihnen gelingt, sich im Wettbewerb mit ressourcenstarken Großunternehmen erfolgreich in neuen Märkten zu positionieren. Der Schritt ins Ausland ist damit immer eine weitreichende Entscheidung und sollte klaren Überlegungen folgen. Hier setzte am 20. Juni das erste Forum Mittelstand des Jahres 2017 mit einem Unternehmernachmittag zum Thema „Neue Wachstumsmärkte erschließen – Potenziale und Stolpersteine für mittelständische Unternehmer“ an.

Bei der Planung einer Auslandsexpansion ist die Kenntnis rechtlicher Rahmenbedingungen vor Ort eine unerlässliche Voraussetzung. Das Forum Mittelstand folgte dieser Logik und überließ, nach der Begrüßung durch die Organisatoren Prof. Dr. Christina Günther, Inhaberin des IHK-Lehrstuhls für kleine und mittlere Unternehmen an der WHU und Ralf Lawaczek, Geschäftsführer der IHK Koblenz, Rechtsanwalt Dr. Timo Karsten den ersten Vortrag des Tages. Während seines Überblicks über rechtliche Schritte zur erfolgreichen Internationalisierung und Geschäftstätigkeit im Ausland wurde deutlich, dass die Bedeutung einzelner rechtlicher Aspekte auch maßgeblich von individuellen, strategischen Entscheidungen abhängt. Karsten verwies auf unterschiedliche Rechtsformen, darunter etwa Niederlassungen oder Tochtergesellschaften, deren juristische Stellung verschiedene Vor- und Nachteile mit sich brächten. Auch die Entscheidung für die Entsendung eigener Fach- und Führungskräfte oder die Anwerbung lokaler Mitarbeiter stelle die Weichen für spätere Entwicklungen. Um bei steuer- und arbeitsrechtlichen Fragen im Dschungel lokaler Gesetzgebungen den Durchblick zu behalten, riet er den Teilnehmern zur Durchführung einer Markstudie. Auch die Investition in eine landeskundige Rechtsberatung und der Einsatz eines Tax- oder Payroll-Teams sowie gut vernetzter Recruiter zahlten sich langfristig aus.

Beobachtungen, die auch Holger Hoffmann, Management Consultant und Interim Manager, iLux Electricals Pvt. Ltd, im Rückblick auf vier Jahre als Vorstandsmitglied einer indischen Produktionsfirma teilt. Hoffmann, inzwischen im Start-up-Bereich tätig, nahm die Anwesenden mit auf eine Reise in eine fremde Welt. Sein sehr persönlicher Vortrag über Personalführung und Kommunikation im Ausland, am Beispiel seiner Erfahrungen als einziger Europäer in einem ehemaligen indischen Familienunternehmen, beleuchtete alltagsrelevante Aspekte wie Religion, Sprache, Kultur und Politik. Ein großes Paradoxon sei die indische Vorliebe für Bürokratie bei gleichzeitiger Nichtbeachtung der zahllosen, oft nicht umsetzbaren Gesetze. Die daraus resultierenden, allgegenwärtigen Ausweichstrukturen und Netzwerke seien nützlich und verlässlich, wenn man sie akzeptiere und zu verstehen lerne. Echtes Interesse, offener Dialog und Akzeptanz für Traditionen aller Art stellte Hoffmann als Erfolgsfaktoren heraus. „Bei einem können Sie sicher sein: es funktioniert nichts wie geplant aber alles ist verhandelbar und möglich“, fasste er seine Erfahrungen in Indien zusammen.

Robert Lippmann, Geschäftsführer Standortpolitik und International der IHK Koblenz, leitete den zweiten Teil der Veranstaltung mit einer Präsentation über die Außenhandelskammern der IHK ein. Im Anschluss diskutieren Thomas Kleppel, Winkler und Dünnebier Süßwarenmaschinen GmbH, Dr. Antje Eckel, Dr. Eckel Animal Nutrition GmbH & Co. KG und WHU Alumnus Henning Kocks, Kocks Consult GmbH, beim traditionellen Programmpunkt „Unternehmer im Dialog“ mit den Teilnehmern über eigene erfolgreiche Expansionen ins Ausland, respektive Russland, Thailand und Kasachstan. Zum Abschluss des Unternehmernachmittags stellte Alexander Feltes, Analyst bei der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, verschiedene Angebote und Maßnahmen zur Begleitung deutscher Mittelständler in Wachstumsmärkten vor. Am Beispiel dreier Fälle aus der eigenen Beratungsarbeit informierte er über Motive, Sorgen sowie Überraschungen bei Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Das Forum Mittelstand hat sich zum Ziel gesetzt mittelständische Unternehmen aus der Region regelmäßig praxisnah und kompetent über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und so einen konkreten Beitrag zur Steigerung von Wirtschafts- und Innovationskraft der hiesigen Unternehmen zu leisten. Das nächste Forum Mittelstand findet im Herbst 2017 statt.

Holger Hoffmann, iLux Electricals Pvt. Ltd

Teilnehmer des Forum Mittelstands

Networking während des Forum Mittelstands

Networking während des Forum Mittelstands

Dr. Antje Eckel, Dr. Eckel Animal Nutrition GmbH & Co. KG

Networking während des Forum Mittelstands