Donnerstag, 18. Mai 2017

Lernen von der Startup Nation Israel

“Startup Woche” in Düsseldorf: Israelischer Botschafter sprach beim “WHU Entrepreneurship Roundtable”

Die Themen Startups und Entrepreneurship haben in den letzten Jahren einige Aufmerksamkeit erhalten. Doch während man dabei schnell an das legendäre Silicon Valley denkt, sollte man Israel nicht vergessen. Obwohl das Land klein ist, ist es ein wahrer Pionier in der Förderung von Unternehmertum und hat sich zu Recht einen Namen als „Startup Nation“ gemacht. Israel beheimatet einen der innovativsten, lebendigsten Technologiesektoren der Welt und weist mehr Startup-Unternehmen pro Kopf auf, als jedes andere Land der Erde. Jetzt, da eine stetig wachsende Zahl deutscher Unternehmen das Abenteuer Israel wagt und versucht, einen Fuß in die Türe dieses reizvollen Talentpools und Technologieclusters zu bekommen, war es an der Zeit für den „WHU Entrepreneurship Roundtable“, auch in diesem Jahr wieder unterstützt von Orrick und Statkraft, Brücken zwischen Israel und Europa zu bauen. Im Rahmen der „Startup Woche“ in Düsseldorf kamen international anerkannte Redner, darunter hochrangige israelische Diplomaten, Führungskräfte aus der Wirtschaft und erfolgreiche Unternehmer, auf dem Campus der WHU – Otto Beisheim School of Management unter dem Motto „Lessons from the startup nation Israel“ zusammen.

“Um zu verstehen, wie die Maschine funktioniert muss man sich den Motorraum der israelischen Startup-Szene anschauen”, erklärte der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, Hauptredner beim „WHU Entrepreneurship Roundtable“, zu Beginn seiner Rede. Sowohl Politiker als auch die Geschäftswelt müssten zusammen arbeiten um ein geschäftsfreundliches Klima und eine Kultur zu etablieren, die das Ausprobieren begrüßt und das Scheitern gestattet. Er erläuterte wie Israel es schaffen konnte mehr Investmentkapital anzuziehen als jedes andere EU-Mitglied und schrieb dabei große Teile des Erfolg der israelischen Regierung zu, die bereits in den 80er-Jahren damit begann, sich aktiv für Investoren und den Startup-Sektor einzusetzen. So unterstützte der Staat etwa ausländische Investoren, die in Israel investierten, finanziell. “Wenn ein Investment zu riskant erscheint, sollte sich vielleicht die Regierung einbringen“, kommentierte Hadas-Handelsman das Konzept. Teile des Risikos dem Staat zu überlassen sei „ein Erfolgsmodell, und über Erfolg sollte man nicht streiten“, sagte er und empfahl der deutschen Regierung, Gründer zu unterstützen und in Startups zu investieren.

Eine Ansicht, die sein Kollege Doron Abrahami, Gesandter für Wirtschaft und Handel, teilt. Basierend auf einem historischen Überblick über die deutsch-israelischen Wirtschaftsbeziehungen seit dem Beginn der diplomatischen Beziehungen der beiden Länder im Jahre 1965, ermunterte er die Konferenzteilnehmer die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. „Israel ist ein Schmelztiegel, Neuankömmlinge in unserem Land waren ein großes Geschenk an die Gesellschaft“, sagte er im Hinblick auf die Einwanderungswelle, die Israel nach dem Fall der Sowjetunion erreicht hatte. „Jeder kann etwas Sinnvolles beitragen, solange ihm geholfen wird, sich wie zu Hause zu fühlen“, pflichtete Hadas-Handelsman ihm bei. Ähnlich wie der Hauptredner des letzten Jahres, US-Botschafter John B. Emerson, merkte Hadas-Handelsmann an, dass es Deutschland noch immer an einer Kultur des Scheiterns mangele, eine Einstellung, die sich dringend ändern müsse, da Scheitern von hoher Wichtigkeit sei. „Mal verliert man, mal gewinnt man, solange man am Ende mehr gewonnen als verloren hat, ist alles gut“, fasste Hadas-Handelsman seinen Vortrag zusammen.

Nachfolgend hielt Amit Keren, Head of Deutsche Telekom Israel, einen Vortrag, der als Erfolgsgeschichte für erfolgreiches Investment und stetige Innovation eines deutschen Unternehmens in Israel diente. Im Anschluss an seine Präsentation gesellte sich Keren zu einer Gesprächsrunde bestehend aus Botschafter Hadas-Handelsman, Doron Abrahami, Prof. Dr. Eli Talmor von der London Business School und Jörg Rheinboldt, Head of Plug&Play bei Axel Springer, um Chancen und Herausforderungen für deutsche Unternehmer in Israel zu diskutieren. Die Experten waren sich darin einig, dass besonders Israels überschaubare Größe große Möglichkeiten biete, die Bevölkerung Neuem offen gegenüber trete und man leicht neue Beziehungen aufbauen könne. Eine eher überraschende Erkenntnis waren die äußerst positiven Worte, die alle Beteiligten für den Einfluss der modernen, technologieversierten israelischen Armee fanden, deren verpflichtender Militärdienst jungen Israelis nicht nur ein technologisches Grundwissen mitgebe sondern auch dabei helfe, eine Kultur der Zuverlässigkeit zu prägen. Während israelischen Gründern in der Vergangenheit oft nachgesagt wurde, es gehe ihnen vor allem um schnelle Exits, konnten die Experten bestätigen, dass die Gründerszene reifer geworden sei und Gründer heute an Wachstum interessiert seien – ein ideales Bindeglied für Israel und Deutschland.

Während einer kleineren Podiumsdiskussion zum Thema „Von der Wissenschaft zum Business – Lektionen aus Israel zum Aufbau unternehmerischer Ökosysteme“ gewährten Prof. Dr. Eli Talmor und Prof. Dr. Hossam Haick, Technion – Israel Institute of Technology, Einblicke in ihr „Doppelleben“ als Wissenschaftler und Unternehmer. Sowohl Talmor als auch Haick beleuchteten dabei besonders das Problem, brillante Köpfe in der Forschung zu halten statt sie an neu gegründete Unternehmen zu verlieren. Dennoch ermutigten sie Hochschulen, ihren Studenten dabei behilflich zu sein, ihre Geschäftsunternehmen in die Realität umzusetzen.

Im zweiten Teil des Events mit dem Titel „Overcoming the challenges of startup M&A“, verlagerte sich der Fokus weg von Israel. Erfolgreiche Serienerwerber diskutieren wie man Hürden bei der Übernahme und Integration von Startups überwinden kann, um die Innovation in gestandenen Unternehmen zu steigern. Jörg Rheinboldt fasste seine persönliche Erfolgsformel zusammen und erklärte: „Es braucht immer ein gutes Team damit ein Unternehmen läuft.“ Er merkte außerdem an, dass die deutsche Einstellung zum Ausprobieren und Scheitern sich langsam verändere. „Schrittweise Scheitern ist Ausprobieren, fatal Scheitern ist ein Problem“, erklärte er. Die letzte Podiumsdiskussion des Tages brachte drei „Fremde in der Geschäftswelt“ zusammen, Stephan Hülsen, Partner bei Statkraft Ventures, Dr. Paolo Bavaj, Henkel CVC und Andreas Winiarski, Partner bei Earlybird diskutierten, wie man eine Risikokapitalabteilung innerhalb traditioneller Unternehmen (nicht) aufziehen sollte. 

Prof. Dr. Christoph Hienerth, Prof. Dr. Eli Talmor, Prof. Dr. Hossam Haick, Prof. Dr. Markus Rudolf, Yakov Hadas-Handelsman, Monika Hauck, Amit Keren und Dr. Sven Greulich (v.l.n.r.)

Yakov Hadas-Handelsman, Botschafter des Staates Israel in Deutschland

Podiumsduskussion mit Dr. Sven Greulich, Amit Keren, Doron Abrahami, Prof. Dr. Eli Talmor und Jörg Rheinboldt (v.l.n.r.)

Axel Springer Plug&Play präsentiert sich beim "WHU Entrepreneurship Roundtable"

Prof. Dr. Markus Rudolf, Rektor der WHU