Mittwoch, 15. Februar 2017

Zufriedene Pfleger pflegen länger

Die meisten Menschen müssen spätestens im Alter die Hilfe von Pflegern in Anspruch nehmen. Trotz des umfassenden Bedarfs an Pflegekräften steht die Pflegebranche dennoch vor großen Herausforderungen. Laut Bundesgesundheitsministerium wird es im Jahr 2030 eine Versorgungslücke von 500.000 Vollzeit-Pflegekräften geben. Diese Versorgungslücke ist zum einen durch den gestiegenen Pflegebedarf, zum anderen durch einen Mangel an Fachkräften begründet. In Baden-Württemberg kamen im Jahr 2015 beispielsweise nur 28 Bewerber auf 100 freie Stellen in der Altenpflege.

Um dieses Problem langfristig zu lösen gibt es zwei Ansätze: Erstens die Anzahl von Berufseinsteigern zu erhöhen, zweitens die Bindung der aktiven Pflegekräfte an ihren Beruf zu verlängern. Die durchschnittliche Verweildauer von Altenpflegern beträgt nur 8,4 Jahre. Der Frage wie eine längere Berufsbindung zu erreichen ist, geht unser Absolvent Robin Klemm in seiner Masterarbeit nach.

Klemm stellt eine Studie, die aus einer repräsentativen Befragung von Pflegekräften besteht, in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Insgesamt nahmen 205 Pflegekräfte aus zwölf Bundesländern an der Befragung teil und füllten den Fragebogen aus. Ziel der Studie ist es die wirksamsten Stellschrauben für Entscheidungsträger in der Pflegebranche zu identifizieren, um aktuell tätige Pflegekräfte für eine längere Zeit in ihrem Beruf halten zu können.

Das Ergebnis der Studie zeigt einen höchst signifikanten Zusammenhang zwischen der allgemeinen Arbeitszufriedenheit und der Ausstiegswahrscheinlichkeit von Pflegekräften aus ihrem Beruf. Klemm gelang es neun weitere Faktoren zu identifizieren, die einen signifikanten Einfluss auf die Berufsausstiegswahrscheinlichkeit von Pflegekräften haben: das Alter der Pflegekräfte, ihr Familienstand und Gesundheitszustand, die Häufigkeit und Notwendigkeit von Überstunden, mögliche Aufstiegschancen, die Beeinträchtigung des Privatlebens durch Bereitschaftsdienst, die Kommunikation mit Vorgesetzten, das Angebot beruflicher Weiterbildungsmöglichkeiten und die Aufteilung von Zuständigkeitsbereichen. Klemm weist in seiner Arbeit darauf hin, dass er bei dem in der gesellschaftlichen Diskussion am häufigsten genannten Faktor der Entlohnung keinen signifikanten Einfluss auf die Ausstiegswahrscheinlichkeit nachweisen konnte.

Robin Klemm schlussfolgert aus diesen Ergebnissen die Empfehlung für Entscheidungsträger einen Schwerpunkt im Personalmanagement zu setzen, um den Berufsausstieg von Pflegekräften zu verhindern. Konkret empfiehlt er Maßnahmen, die die Klarheit der Aufteilung von Zuständigkeitsbereichen, das Angebot von berufsbegleitenden Weiterbildungsmöglichkeiten und die Kommunikation mit Vorgesetzen verbessern.

 

Der Titel der Arbeit lautet „Zufriedene Pfleger pflegen länger. Wie die Verweildauer von Altenpflegekräften in ihrem Beruf verlängert werden kann. Eine empirische Studie”. Sie wurde bei Prof. Dr. Christian Hagist, Lehrstuhl für generationsübergreifende Wirtschaftspolitik, eingereicht. Die Arbeit wurde mit dem In Praxi Outstanding Thesis Award 2016 ausgezeichnet. 

Robin Klemm erhält den In Praxi Outstanding Thesis Award