Mittwoch, 31. Mai 2017

Fracking in der öffentlichen Wahrnehmung

Fast jedes Großprojekt in den letzten Jahren hat gesellschaftliche Ablehnung und darauffolgende heftige Proteste hervorgerufen. Nicht nur sehr teure bauliche Großmaßnahmen wie die Elbphilharmonie in Hamburg, Stuttgart 21 und der neue Berliner Flughafen führen zu großer Ablehnung in der Bevölkerung. Auch der Bau von beispielsweise Windenergieanlagen und Stromtrassen stößt lokal auf zum Teil heftige Ablehnung und Proteste. Ein anderes Großprojekt, das in Deutschland mit großen Akzeptanzproblemen zu kämpfen hat, ist Fracking.

Die Doktorandin Joséphine Süptitz setzte sich zusammen mit Prof. Dr. Christian Schlereth, Lehrstuhl für Digitales Marketing an der WHU – Otto Beisheim School of Management, in einer kürzlich zur Veröffentlichung angenommenen Studie mit der geringen Akzeptanz von Fracking in Deutschland auseinander. Dabei gingen sie der Frage nach, ob die ablehnende Haltung eine von wenigen Meinungsvertretern ideologisierte Diskussion ist oder ob tatsächlich die Bevölkerung ablehnend dem Thema gegenübersteht. Zusätzlich entwickelten sie eine Methode, um die Wirkung akzeptanzsteigernder Maßnahmen messbar zu machen.

Sechs Akzeptanzdeterminanten sind bei Fracking entscheidend: Wassersicherheit, Risiko durch Erdbeben, Anstieg von Lärm und Verkehr, Schädigung von Natur und Landschaft, Genehmigungsorgan und ungleiche Verteilung von Nutzen und Kosten. Die Ergebnisse der Studie bestätigen eine überwiegend ablehnende Haltung der Bevölkerung, zeigen aber auch gleichzeitig auf, dass das Anbieten geeigneter Maßnahmen die Akzeptanz für Fracking auf bis zu 57 Prozent erhöhen kann.

„Überraschend ist, dass eine direkte Entschädigung der Anwohner, beispielsweise durch anteilige Übernahme von Energiekosten, negativ wahrgenommen wurde“, erläutert Joséphine Süptitz und ergänzt: „Unserer Einschätzung nach wird dies einem unmoralischen Bestechungsversuch gleichgesetzt. Die indirekte finanzielle Entschädigung für die Gemeinschaft hingegen wirkt positiv auf die Akzeptanz, etwa durch erhöhte Steuereinnahmen.“ 

Die Studie wird in einer der kommenden Ausgaben der renommierten Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung erscheinen. Süptitz erhielt für ihre Studie bereits 2014 den GEE-Preis des Energieforums Berlin.

 

Was ist Fracking?

Durch Fracking, eigentlich Hydraulic Fracturing, können Erdgas und Erdöl aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten gefördert werden. Bei dieser Technologie wird unter hohem Druck ein Gemisch aus Sand, Wasser und chemischen Substanzen zwischen tiefliegende Gesteinsschichten gepresst, um das in diesen sogenannten unkonventionellen Lagerstätten diffus liegende Gas oder Öl freizusetzen. In den USA hat inzwischen eine großflächige Erschließung solcher Lagerstätten stattgefunden, wodurch die USA zu einem der weltweit wichtigsten Erdölproduzenten aufsteigen konnten. Fracking hat dort aber nicht nur einen hohen wirtschaftlichen Stellenwert, sondern konnte auch zu einer besseren CO2-Bilanz führen. Problematisch ist allerdings, dass Fracking im Verdacht steht, Erdbeben zu fördern und durch die eingesetzten Chemikalien Trinkwasser zu verunreinigen. Weitere Umweltrisiken sind bisher kaum abschätzbar. Die Bundesregierung entschied im Juni 2016 Fracking, aus kommerziellen Gründen vorerst für fünf Jahre zu untersagen. Für 2021 ist eine erneute Prüfung des Bundestages geplant.

Quelle: Shutterstock/Calin Tatu

Joséphine Süptitz und Prof. Dr. Christian Schlereth, Lehrstuhl für Digitales Marketing